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Zum Glück gibt’s die Muschel

In Yap wird nicht um die Hand angehalten. Auch Standesämter gibt es nicht. Geheiratet wird dennoch, und geschieden auch ab und an.

Zu diesem Zweck kommt eine handschaufel-ähnliche Muschelschale ins Spiel. Mit Tierknochen verziert und einem Griff aus Hanfschnur erinnert ihre Form an ein kleines Schwert. Dabei gibt es diese Muschel gar nicht in den Gewässern rund um die kleine mikronesische Insel. Sie stammt von einer benachbarten Insel viele hundert Seemeilen entfernt.

Der Vater des Bräutigams übergibt sie dem Vater der Braut als Pfandobjekt. Wichtig dabei ist die Geschichte, die dabei erzählt wird. Sie handelt meist von den beiden Liebenden, wie sie sich kennen gelernt haben und warum sie miteinander leben wollen. Hat der Brautvater die Muschel angenommen, ist die Trauung vollzogen.

Klappt es dann doch nicht so gut mit den Beiden, muss das Artefakt wieder zurückgegeben werden. Selbstverständlich nicht ohne die obligatorische Geschichte. Da muss sich dann der Vater der „zurückgegeben“ Tochter eine gute Story einfallen lassen. Oder er rückt sie einfach nicht ‚raus. Pech gehabt ihr zwei!

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„You are married by the shell and divorced by the shell.“ – Tamaq

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Der Thron macht die Musik

Der Rucksack ist schwer. 15 Stunden hat die Reise gedauert. Jetzt stehe ich hier in Nishi-Nippori, einer kleineren Station im Zentrum von Tokyo. Mein Deo hat schon vor Stunden versagt und meine Unterbekleidung kündigt an, bald schreiend davon laufen zu wollen.

Doch erst einmal die Grundbedürfnisse stillen. Richtig großen Hunger habe ich noch nicht. Mein Magen ist noch zu sehr verklebt vom breiigen Flugzeugfraß der Turkish-Airline. Auch die ersten bebilderten Menütafeln der kleinen Imbissbuden rund um die Station wecken meine kulinarischen Gelüste noch nicht. Mein Mut zum Risiko ist zwar in einschlägigen Kreisen bekannt – mich mit Dünnpfiff die nächsten Tage und Wochen fortzubewegen, hält meinen Abenteuerdrang jedoch erstmals in Grenzen.

Keine 30 Meter vom Ausgang der Station entfernt entdecke ich ein bekanntes Gesicht. Es ist das Logo einer amerikanischen Fastfoodkette, die ausschließlich frittierte Hühnerteile anbietet. Beim Bestellen überkommt mich ein Déjà-vu aus meiner Kindheit. Lange ist es her, dass ich jemanden mit ausgestrecktem Zeigefinger und „dada“- Lauten zu Verstehen gegeben habe, was ich gerne essen möchte. Die Prozedur dauerte ein wenig, aber die Japanerin ist sehr geduldig und lächelt in einer Tour. Mit dem zusammengeklappten Roller in der einen Hand und einem Tablett in der anderen steige ich die schmale Wendeltreppe hinauf ins Obergeschoss. Die in dünnes Papier eingewickelten Hühnerdinger sehen nicht im Entferntesten wie jene von der beleuchteten Tafel aus, die ich anfänglich wollte. Aber egal, mein Anstand hat mich daran gehindert mit leeren Händen hier aufs Klo zu gehen.

Nur knapp drei Meter hinter mir führt mich ein kleines Schild zum Ziel meiner Begierde. Sehr touristenfreundlich: blau gezeichnetes Männchen, rotes Weibchen. Das Schild kenne ich bereits vom Flughafen. Beim Betreten wird das Licht sanft eingeblendet. Die Musik im Kaufhausstil, die im Lokal nur im Hintergrund wahrzunehmen ist, erfüllt den kleinen Raum in angenehmer Lautstärke. Vergeblich suche ich nach Lautsprechern. Rechts vor mir ein großzügiges Waschbecken mit Sensoren für den Wasser- und Seifenspender. Die Düsen für den Handföhn sind ebenfalls ins Becken eingearbeitet. Mit einem Schritt nach links öffnet sich automatisch der große Klodeckel. Ein blinkendes Lämpchen und ein Hinweis in englischer Sprache weisen auf die spezielle Reinigungsprozedur der Klobrille hin, die ich situationsbedingt leider nicht abwarten kann.

Die Klobrille ist beheizt. Erinnerungen an meinen ersten PKW mit Lenkradheizung im Winter werden wach. I’m loving it. Dann entdecke ich die Steuereinheit der Kommandozentrale. Ehrfürchtig studiere ich die Knöpfe. Da ich von Natur aus verspielt und gerade nicht in Eile bin, probiere ich sämtliche Funktionen aus. Ich klicke mich durch eine abwechslungsreiche Playliste an japanischen und westlichen Klängen. Den Lautsprechern verlange ich alles ab. Die Temperatur meines Throns stelle ich auf maximalen Wohlfühlfaktor ein. Ein weiteres Panel dient der Spülung, die ich mir für den Geschäftsabschluss aufhebe.

Schlussendlich fällt meine Aufmerksamkeit auf die Tasten „Bidet“ und „Spray“. Zeichnungen zeigen von welcher Seite der reinigende Wasserstrahl vermutlich kommen wird. Während „Bidet“ zielgerecht eine zufriedenstellende Wirkung erzielt, versprüht „Spray“ förmlich einen zarten Sprühregen auf die Langstrecken-gestresste Sitzregion. Es fühlt sich an als wäre ein Teil von mir bereits im Tropenparadies. Ein entspanntes Grinsen macht sich in meinem Gesicht breit. Ich wiederhole den Vorgang mehrmals.

Minuten später klopft es an der Tür gefolgt von ein paar fragend formulierten japanischen Worten. Ich beschließe die Sitzung zu beenden. Meine Backen glänzen wie fabriksneues Augarten-Porzellan. Mal sehen, was morgen der Burgerladen mit dem großen gelben M zu bieten hat.

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Final Destination – YAP

Eine kleine Aufgabe: Drehen Sie den Globus ´mal auf die andere Seite. Genau zwischen Japan und Australien, gleich rechts – also östlich von den Philippinen ist Yap eine der vielen kleinen Inseln im Pazifik. Ach dort ist nur blaues Wasser eingezeichnet? Ah, und Sie haben gar keinen Globus. Tante Google tut’s auch. Besser noch – sie findet Yap auf Anhieb und zeigt uns mittig im Browser „Köln“ als Zentrum der Insel und Ziel meines Abenteuers.

Ganz so flott wie die Tante ist die Reise „in real life“ freilich nicht. Die Route wird mich in den nächsten Tagen erstmals nach Tokio führen. Von dort aus ein paar Tage später über Guam nach Yap. Mikronesien ist neben Polynesien und Melanesien ein Teil vom Inselkontinent Ozeanien. Von Europa aus gibt es meist keine Direktflüge auf kleinere Inseln. Tokio, Manila oder Taipeh stehen gelegentlich zur Auswahl. Perfekte Traumziele für Japaner, was Griechenland für den österreichischen Pauschalurlauber in den 80er Jahren war. Doch die Chinesen sind im Kommen.

„Was um alles in der Welt macht der Bua dort?“ So oder so ähnlich hätte mein Vater wohl auf meine Reisepläne reagiert. Und was mache ich wirklich dort? Was ist so besonderes an einem für Europäer noch fast unentdeckten Inselparadies mit herrlichen Tauchplätzen? Was denken Sie?

.. ob Sie recht haben, oder nicht lesen Sie hier in meinem Blog .. viel Spaß!

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Hawaii Unterwasser

Hula und Baströckchen, dazu Slidegitarre – sofort denkt man an Elvis und fragt sich, wie Paul Kuhn auf den Gedanken kam, dass es im Paradies kein Bier gibt. Von Europa aus gesehen liegt die kleine Inselgruppe am östlichen Rand von Polynesien.

Dass Hawaii aus vier sehr unterschiedlichen Inseln besteht und die südlichste und gleichzeitig größte Insel so gar nicht ins Klischee passt, wissen nur wenige. Genauso wenig ist Hawaii hierzulande als Tauchparadies bekannt.

Der 14-minütige Film entstand während meiner Rucksackreise im Sommer 2013 auf den beiden südlichsten Inseln Maui und Big Island und wurde mit einer Pocket-Kamera ohne Kunstlicht an nur fünf Tagen gedreht. Zu den Highlights zählen die vielen und darunter besonders alten grünen Schildkröten und das Nachttauchen mit den grazilen Manta-Rochen.

 

 

Whale shark @ Roca Partida

Oder: Als der Autobus (Anm.: Walhai) um die Ecke bog. Roca Partida ist ein kleiner Felsen der Inselgruppe Revillagigedos, der als Vulkanausstoß nur wenige Meter aus dem Meer ragt und wie eine Nadel fast senkrecht abfällt. Mehrere Haiarten, darunter die großen Galapagos-Haie und ozeanische Fischschwärme umkreisen in zumeist starker Strömung den Felsen oder ziehen daran vorbei.

Am 21.Mai 2011 erschien die kleine Walhai-Dame wie aus dem Nichts und bescherte mir einen meiner schönsten Geburtstage 😉

Mit der Einser-GoPro und selbstgebasteltem Rotfilter, ungeschnitten und unbearbeitet in Mexico gedreht, oder vielmehr einfach nur draufgehalten.

Musik: „Ahora Y Aqui“ von Tom Bayer